Nematoden gegen Engerlinge

Nematoden gegen Engerlinge

Engerlinge im Garten zu entdecken, kann ein Schreckmoment sein. Diese Larven einiger Käferarten leben unter der Erde und ernähren sich von Pflanzenwurzeln. Besonders wenn sie in großer Zahl auftreten, können sie erhebliche Schäden anrichten. Statt panisch zu reagieren oder zu chemischen Mitteln zu greifen, lohnt es sich, natürliche Wege zur Eindämmung zu nutzen. Eine bewährte Methode ist der gezielte Einsatz von Nematoden gegen Engerlinge – winzige, aber effektive Fadenwürmer, die bestimmte Käferlarven befallen und dezimieren. Doch bevor du loslegst, gibt es einige wichtige Punkte zu beachten. Vor allem solltest du klären, ob es sich nicht um unschädliche und / oder geschützte Arten von Käferlarven handelt!

Was sind Engerlinge?

Als Engerlinge werden die Larven verschiedener Käferarten aus der Überfamilie der Blatthornkäfer (Scarabaeoidea) bezeichnet. Sie zeichnen sich durch ihre gekrümmte Körperhaltung, eine weißlich bis cremefarbene Färbung und einen braunen Kopf aus. Ihre Größe variiert je nach Art.

Nicht alle Engerlinge richten Schaden an. Während einige Arten harmlos oder sogar nützlich für den Boden sind, gibt es andere, die massive Fraßschäden an Pflanzenwurzeln verursachen können.

Hier findest du heraus, wie man die verschiedenen Engerling-Arten unterscheiden kann: Engerling-Arten  und wie man sie erkennt

Wie wirken Nematoden gegen Engerlinge?

Nematoden sind winzige, im Boden lebende Fadenwürmer, die gezielt gegen bestimmte Engerlinge eingesetzt werden können. Diese mikroskopisch kleinen Organismen dringen aktiv in die Larven ein und geben Bakterien ab, die den Wirt innerhalb kurzer Zeit abtöten. Anschließend vermehren sich die Nematoden im toten Engerling und suchen nach weiteren Larven, die sie befallen können.

Damit die Behandlung erfolgreich ist, müssen einige Voraussetzungen stimmen. Die richtige Kombination aus Nematodenart und Engerlingsart ist entscheidend, denn nicht jede Nematoden-Spezies wirkt gegen jeden Schädling. Zudem spielen Bodentemperatur und Feuchtigkeit eine große Rolle. Nematoden benötigen eine feuchte Umgebung, um sich fortzubewegen und in die Engerlinge einzudringen. Daher sollte der Boden vor und nach der Anwendung gut gewässert werden.

Die Methode ist besonders wirksam, wenn sie zum passenden Zeitpunkt angewendet wird. Engerlinge sind am empfindlichsten in ihren frühen Entwicklungsstadien, weshalb der Einsatz von Nematoden im Spätsommer oder frühen Herbst am besten funktioniert. Zu dieser Zeit sind die Larven jung und leichter zu bekämpfen, bevor sie sich tiefer ins Erdreich zurückziehen.

Andere Mittel, um Engerlinge einzudämmen

Wenn Engerlinge in großer Zahl im Garten auftreten, liegt das meist an einem Ungleichgewicht in der Natur. In einem gesunden, artenreichen Garten gibt es viele natürliche Fressfeinde, die Engerlinge in Schach halten.

Natürliche Feinde fördern

Igel, Spitzmäuse, Maulwürfe und verschiedene Vogelarten – allen voran der Grünspecht – ernähren sich von Engerlingen. Doch diese Tiere fühlen sich nur in einer naturnahen Umgebung wohl. Ein strukturreicher Garten mit Hecken, Laubhaufen und offenen Bodenstellen bietet ihnen Lebensraum. Auch ein artenreicher Rasen mit Wildkräutern anstelle eines kurz geschorenen Zierrasens hilft, das biologische Gleichgewicht zu erhalten.

Engerlinge absammeln

Sind nur wenige Engerlinge vorhanden, lassen sie sich einfach von Hand absammeln. Dazu kann man betroffene Stellen im Boden vorsichtig freilegen und die Larven einsammeln. Besonders nach einem Sommerregen oder gezieltem Wässern kommen sie näher an die Oberfläche. Diese Methode ist zwar zeitaufwendig, aber äußerst effektiv, besonders bei den größeren Larven von Maikäfer und Junikäfer.

Chemische Mittel meiden

Chemische Pflanzenschutzmittel gegen Engerlinge sind meist wirkungslos und richten mehr Schaden als Nutzen an. Sie töten nicht nur die Schädlinge, sondern auch viele nützliche Bodenlebewesen und können das biologische Gleichgewicht weiter stören. Wer Engerlinge bekämpfen möchte, sollte daher auf sanfte Methoden setzen, die gezielt wirken und keine negativen Folgen für den restlichen Garten haben.

Vor dem Einsatz von Nematoden gegen Engerlinge: Die Art bestimmen

Nicht jeder Engerling richtet Schaden an, und nicht jede Nematodenart wirkt gegen jede Käferlarve. Bevor du also zu Nematoden greifst, solltest du sicher sein, mit welcher Art du es zu tun hast.

Ein genauer Blick auf die Larven hilft bei der Bestimmung:

  • Schädliche Engerlinge stammen meist von Maikäfern, Junikäfern oder Gartenlaubkäfern. Sie sind in der Lage, große Schäden an Pflanzenwurzeln anzurichten.
  • Unbedenkliche Engerlinge, wie die des Rosenkäfers oder Nashornkäfers, zersetzen abgestorbenes Pflanzenmaterial und tragen zur Humusbildung bei. Sie sollten unbedingt im Boden belassen werden.

Die Unterscheidung gelingt oft durch die Größe, die Färbung und das Verhalten der Engerlinge. Während schädliche Arten eher tiefer im Boden zu finden sind, halten sich nützliche Larven meist in verrottendem Holz oder Kompost auf. Wer sich unsicher ist, kann Vergleichsbilder heranziehen oder eine Bestimmungshilfe aus dem Internet nutzen. Erst wenn feststeht, dass es sich um schädliche Engerlinge handelt, macht der Einsatz von Nematoden wirklich Sinn.

Welche Nematoden gegen welche Engerlinge?

Nicht alle Engerlinge lassen sich mit Nematoden bekämpfen. Während einige Arten durch Nematoden wirksam dezimiert werden können, sind andere entweder unempfindlich oder sogar geschützt. Daher ist es wichtig, vor dem Einsatz zu wissen, mit welcher Käferlarve man es zu tun hat.

Maikäfer und Junikäfer: Mechanisch bekämpfen

Die Larven dieser Käfer sind besonders widerstandsfähig und lassen sich nur schwer durch Nematoden eindämmen. Sie entwickeln sich über mehrere Jahre im Boden und können während dieser Zeit große Schäden anrichten. Am besten hilft hier das Absammeln der Engerlinge – entweder per Hand oder durch das gezielte Anlocken mit ausgelegtem, feuchtem Heu oder altem Kompost.

Bei ungünstigen Bedingungen können Engerlinge der Junikäfer massenhaft auftreten
Bei ungünstigen Bedingungen können Engerlinge der Junikäfer massenhaft auftreten

Zusätzlich ist es sinnvoll, den Garten für natürliche Feinde attraktiv zu gestalten. Igel, Maulwürfe und Grünspechte ernähren sich von Engerlingen und tragen auf natürliche Weise zur Regulierung der Population bei. Chemische Mittel sind gegen diese Larven meist wirkungslos und sollten vermieden werden.

Rosenkäfer, Nashornkäfer & Co: Geschützt und eine Bekämpfung ist nicht nötig

Die Engerlinge des Rosenkäfers und des Nashornkäfers werden oft mit schädlichen Arten verwechselt. Dabei sind sie völlig harmlos und sogar nützlich. Sie ernähren sich nicht von Wurzeln, sondern helfen dabei, abgestorbenes Holz und Pflanzenreste zu zersetzen.

Rosenkäfer Engerlinge
Der Rosenkäfer und auch seine Engerlinge sind laut Bundesartenschutzverordnung geschützt

Diese Larven findet man häufig in Komposthaufen, alten Baumstümpfen oder Mulchschichten. Sie zu bekämpfen wäre nicht nur unnötig, sondern sogar schädlich für das Bodenleben und zudem verboten, da sie geschützt sind. Wer auf sie trifft, sollte sie daher einfach an Ort und Stelle belassen oder, falls notwendig, an einen anderen geeigneten Platz umsiedeln.

Nematoden gegen Gartenlaubkäfer

Die Larven des Gartenlaubkäfers können Rasenflächen erheblich schädigen, da sie sich von Graswurzeln ernähren. Bei starkem Befall verfärbt sich der Rasen gelb und lässt sich leicht vom Boden ablösen. Hier können Nematoden eine wirksame Lösung sein.

Gegen die Engerlinge des Gartenlaubkäfers hilft das Mittel „nema-green“, das speziell dafür entwickelte Heterorhabditis bacteriophora-Nematoden enthält. Diese dringen in die Engerlinge ein, töten sie und vermehren sich in ihrem Inneren, bis sie neue Larven befallen.

Die beste Zeit für den Einsatz ist von Juli bis September, wenn die Larven noch jung und empfindlich sind. Der Boden sollte vor und nach der Anwendung feucht gehalten werden, damit sich die Nematoden gut bewegen können.

Nematoden gegen Dickmaulrüssler

Auch die Larven des Dickmaulrüsslers richten erhebliche Schäden an. Sie fressen an den Wurzeln zahlreicher Pflanzen und können vor allem in Topfpflanzen oder Beeten große Verluste verursachen. Hier helfen Nematoden gezielt, um die Larven zu dezimieren.

Für die Bekämpfung des Dickmaulrüsslers eignen sich die Produkte „Nematon“ oder „Nematop Käfer-Stopp“, die Nematoden der Art Steinernema kraussei enthalten. Diese Fadenwürmer sind besonders aktiv bei Bodentemperaturen von 8 bis 12 °C, weshalb die Anwendung im Frühjahr oder Herbst am besten wirkt.

Auch hier gilt: Feuchtigkeit ist entscheidend. Der Boden muss während der gesamten Behandlungszeit feucht bleiben, damit die Nematoden optimal arbeiten können. Einmal ausgebracht, suchen sie aktiv nach den Larven und töten diese innerhalb weniger Tage.

Die wichtigsten Tipps zum Einsatz von Nematoden

Damit Nematoden ihre volle Wirkung entfalten, müssen einige Rahmenbedingungen stimmen. Die folgenden Punkte helfen dabei, den Einsatz optimal zu gestalten.

  • Die richtige Nematodenart wählen: Nicht jede Nematodenart wirkt gegen jeden Engerling. Vor der Anwendung solltest du sicherstellen, dass die eingesetzte Spezies tatsächlich gegen die vorhandene Larvenart hilft. Heterorhabditis bacteriophora eignet sich gegen Gartenlaubkäfer, während Steinernema kraussei gezielt gegen den Dickmaulrüssler eingesetzt wird.
  • Den richtigen Zeitpunkt beachten: Nematoden wirken am besten, wenn die Engerlinge noch jung und empfindlich sind. Der optimale Zeitraum liegt je nach Schädling zwischen Juli und September oder im Frühjahr. Temperaturen über 12 °C sind für viele Nematodenarten ideal, Steinernema kraussei kann jedoch schon bei 8 °C aktiv sein.
  • Den Boden feucht halten: Da Nematoden nur in feuchtem Substrat beweglich sind, ist eine ausreichende Bewässerung entscheidend. Der Boden sollte bereits vor der Anwendung durchfeuchtet sein und auch in den Wochen danach nicht austrocknen. Besonders in trockenen Sommermonaten ist regelmäßiges Wässern notwendig.
  • Nematoden frisch verwenden: Die winzigen Fadenwürmer sind empfindlich und haben eine begrenzte Haltbarkeit. Sie sollten möglichst bald nach dem Kauf ausgebracht werden. Falls eine Lagerung nötig ist, muss dies im Kühlschrank erfolgen, jedoch nicht im Gefrierfach.
  • Nematoden richtig ausbringen: Die Anwendung erfolgt meist mit einer Gießkanne oder einem speziellen Sprühgerät. Das Wasser sollte nicht zu kalt sein, und der Boden sollte nach dem Ausbringen nochmals leicht gewässert werden. Direkte Sonneneinstrahlung sollte während und nach der Behandlung vermieden werden, da UV-Licht die Nematoden abtöten kann.

Mit diesen Maßnahmen lässt sich sicherstellen, dass die Nematoden möglichst viele Engerlinge erreichen und ihren natürlichen Wirkmechanismus effizient entfalten können.

Fazit: Nematoden als biologische Bekämpfung schädlicher Engerlinge

Engerlinge können im Garten erhebliche Schäden anrichten, doch nicht jede Larve ist ein Schädling. Bevor Maßnahmen ergriffen werden, lohnt es sich, genau hinzusehen. Wer schädliche Engerlinge loswerden möchte, kann auf natürliche Feinde setzen oder sie absammeln. Chemische Mittel sind nicht nur unwirksam, sondern schaden dem gesamten Ökosystem.

Nematoden bieten eine gezielte Möglichkeit, bestimmte Engerlinge einzudämmen. Ihr Erfolg hängt jedoch von der richtigen Art, dem passenden Zeitpunkt und optimalen Bedingungen ab. Wer diese Faktoren berücksichtigt, kann die Population schädlicher Larven deutlich reduzieren, ohne das natürliche Gleichgewicht im Garten zu gefährden.

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